Eine Klinik des Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf

Glossar zum Thema Prostatakrebs

Zusammen mit der Diagnose Prostatakrebs werden Sie auch mit vielen weiteren neuen Fachbegriffen und Informationen konfrontiert. In unserem Glossar möchten wir Begriffe rund um die Diagnose und Therapie des Prostatakarzinoms erklären, sodass Sie diese besser verstehen und einordnen können.

Martini-Klinik

Ihr Ansprechpartner

Prof. Dr. Hans Heinzer
Mitglied der Faculty

Lebenserwartung

Wie errechnet man seine geschätzte weitere Lebenserwartung?

Das Max-Planck-Institut Rostock, das sich speziell mit demographischen Fragen beschäftigt, hat folgende Statistik veröffentlicht.

Patientenalter bei Diagnose 65 70 75
A   Mittlere weitere Lebenserwartung ... Ø in Jahren 16,9 13,4 10,2
B   ... bei den gesündesten 25% 24,4 20,1 15,1

In der Zeile A sehen Sie die Mittelwerte aller Männer, egal wie gut der jeweilige allgemeine Gesundheitszustand ist.

Die Statistik zeigt in der Zeile B, dass Männer, die zu den 25% gesündesten zählen, länger leben und zwar im Mittel etwa 90 Jahre alt werden.

Wie die eigene Lebenserwartung in etwa einzuschätzen ist, muss natürlich im Gespräch mit dem Arzt erfolgen.

Anhaltspunkte für die Einschätzung der Lebenserwartung liefern Tests, bei denen Sie Ihr sogenanntes biologisches Alter errechnen. Wenn die Testauswertung ein jüngeres biologisches Alter als Ihr tatsächliches ergibt, können Sie eine längere mittlere Lebenserwartung als in der Zeile A annehmen. 

Biologisches Alter errechnen

Gleason-Score

Gleason-Score - bewertet Ausmaß und Grad der Gewebeveränderung

Tumorzellen unterscheiden sich von normalen Zellen. Wie groß diese Abweichung von Tumorzellen zu gesunden Prostatazellen ist, ist ein Maß für die Bösartigkeit des Tumors. Der amerikanische Arzt Donald F. Gleason hat für die verschiedenen Stufen der Abweichungen eine Einteilung entwickelt: den Gleason-Score. 

Bei der Bestimmung des Gleason-Scores untersucht der Pathologe, ob und wie stark sich die Zellmuster im untersuchten Gewebe von gesunden Prostatazellen unterscheiden. 

Die Abweichung der Gewebemuster von Tumorzellen zum Gewebemuster gesunder Prostatazellen wird in unterschiedliche Grade (Gleason-Muster) eingeteilt. Sie reichen von Gleason-Muster 1 bis 5. 

Je höher die Einteilung des Gleason-Musters ist, umso mehr weicht das untersuchte Zellmuster von dem Muster der gesunden Prostatazellen ab. Somit ist ein Muster von 5 für den Patienten der ungünstigste Wert und ein Muster von 3 der günstigste Wert. 

Die Scores und ihre Bedeutung

Da Prostakarzinome häufig uneinheitlich sind und deutlich unterschiedliche Areale aufweisen können, werden für das Gleason-Grading grundsätzlich zwei Areale beurteilt. Für Stanzbiopsien definiert das ausgedehnteste Areal den primären Gleason-Grad und das schlimmste Gleason-Muster den sekundären Gleason-Grad. Die Muster 1 und 2 sind in Stanzbiopsien aus der peripheren Zone der Prostata nicht zu finden. Günstige Gleason-Grade sind Befunde wie Gleason 3+3=6 oder Gleason 3+4=7. In diesen Situationen kommt bei nicht zu ausgedehntem Tumorbefall der Stanzen und einem nicht zu hohen PSA-Wert eine Aktive Überwachung (active surveillance) infrage. Biologisch deutlich aggressivere Tumoren müssen bei Befunden wie Gleason 4+3=7, 4+4=8 oder 4+5=9 angenommen werden. 

Gleason-Score  (häufigstes Zellmuster + schlechtestes Zellmuster)

Nach einer Prostataentfernung wird bei der Untersuchung des Gewebes das häufigste und das zweithäufigste Muster zum Gleason-Score addiert. Wenn im untersuchten Gewebe aber noch Zellen enthalten sind, die einen schlechteren Grad (höheres Gleason-Muster) haben als das häufigste und zweithäufigste Zellmuster, wird hiervon das schlechteste Muster noch zusätzlich angegeben.

Gleason-Score (häufigstes Zellmuster + zweithäufigstes Zellmuster, schlechtestes Zellmuster)

Der Grad des häufigsten Zellmusters wird immer zuerst angegeben.

Gleason-Score und seine Bedeutung
1 Scharf begrenzter Knoten Drüsen gleichförmig Dicht gepackt und mittelgroß
2 Nicht ganz scharf begrenzter Knoten Drüsen lockerer und ungleichmäßiger  
3 Unscharfer Knoten Drüsen klein und ungleichmäßig Evtl. kleine solide Bezirke
4 Tumorbereich unscharf Drüsen meist ohne Innenraum, verschmolzene Drüsen Solide Bezirke
5 Tumorbereich unscharf Keine klaren Drüsen Solide Bezirke, weitere Veränderungen

Tastuntersuchung

Die Tastuntersuchung ist eine gängige und schmerzfreie Untersuchungsmethode der Prostata zur Früherkennung von Prostatakrebs. Vor dieser rektalen Untersuchung haben viele Männer Hemmungen, in der Regel erfolgt sie aber schmerzfrei und schnell – wenn Ihr Körper entspannt ist, werden Sie die Untersuchung kaum als unangenehm empfinden. 

Der Urologe kann über den Enddarm (rektal) mit dem Finger (digital) nach Größe, Form, Abgrenzbarkeit, Druckschmerz, Konsistenz, Knoten, Verhärtung und Fluktuation (Flüssigkeitsbewegung) der Prostata tasten. Der Patient liegt dabei mit angewinkelten Beinen in entspannter Seitenlage. Wenn ein Karzinom seitlich in der hinteren unteren Zone der Prostata wächst, kann dieses mittels einer Druckuntersuchung erkannt werden. In dieser Region (der sogenannten peripheren Zone) entstehen die meisten Prostatakarzinome. Auch bei einem nur leicht erhöhten PSA-Wert, der für sich genommen noch keine Gewebeentnahme (Biopsie) veranlassen würde, kann durch die Tastuntersuchung ein mögliches Karzinom erkannt werden.

Ein Knotenverdacht durch die Tastuntersuchung ist dennoch kein Tumornachweis. Um die Krebserkennung zu spezifizieren, empfehlen wir die Tastuntersuchung daher in Kombination mit der PSA-Wert Bestimmung.

Ist der Befund von der Tastuntersuchung positiv und/oder der PSA-Wert erhöht, sollte eine Biopsie erfolgen, um die Gewebeproben auf das Vorhandensein von Krebszellen untersuchen zu lassen. 

TNM-Klassifizierung - bewertet Fortschreiten des Tumors

Messgrößen vermitteln eine Vorstellung von den Eigenschaften eines Objekts oder eines Zustandes. Wenn jemand über sein Auto berichtet, es habe 260 PS, dann ist Autokennern klar, dass es sich um einen Sportwagen handeln muss. Auch Erkrankungen können durch Messgrößen beschrieben werden. Wer sie kennt, hat eine Vorstellung davon, wie weit die Erkrankung fortgeschritten ist. Das ist wichtig, denn davon hängt ab, welche Behandlungen in Frage kommen.

Zu den Messgrößen, die das Ausmaß des Prostatakarzinoms beschreiben, gehört die TNM-Klassifikation. Die Werte für T, N und M hängen von der Ausbreitung des Tumors ab. 

T – steht für die Größe, das Stadium des Tumors
N – bezeichnet, ob Lymphknoten befallen sind und 
M – gibt Auskunft darüber, ob sich Metastasen gebildet haben.

T-Wert Aussage
T1 Der Tumor ist nicht zu tasten und nicht sichtbar durch bildgebende Verfahren.
T1a Der Tumor wurde zufällig in entferntem Gewebe gefunden und ist in weniger als fünf Prozent des Gewebes nachweisbar.
T1b Der Tumor wurde zufällig in entferntem Gewebe gefunden und ist in mehr als fünf Prozent des Gewebes nachweisbar.
T1c

Der Tumor wurde durch eine Stanzbiopsie bei erhöhtem PSA-Wert nachgewiesen.

   
T2

Der Tumor ist auf die Prostata begrenzt.

T2a

Der Tumor nimmt weniger als die Hälfte eines Prostatalappens ein.

T2b Der Tumor nimmt mehr als die Hälfte eines Prostatalappens ein.
T2c Der Tumor ist in beide Prostatalappen eingewachsen.
   
T3 Der Tumor hat die Kapsel durchbrochen.
T3a Der Tumor hat die Kapsel ein- oder beidseitig durchbrochen.
T3b Der Tumor ist in die Samenblase eingewachsen.
   
T4 Der Tumor wächst in die umliegenden Organe (Blasenhals, Blasenschließmuskel, Enddarm, Beckenwand) ein.
adaptiert von Wittekind, C. & Meyer, H-J. (2010). TNM: Klassifikation maligner Tumoren. Wiley-VCH Verlag, 7. Auflage
N-Wert Aussage
N0 Es sind keine Lymphknoten befallen
N1 Es sind Lymphknoten befallen
Nx Ob Lymphknoten befallen sind, wurde nicht untersucht oder kann nicht beurteilt werden.
 
M-Wert Aussage
M0 Es sind keine Metastasen vorhanden
M1 Es sind Metastasen vorhanden
Mx Es kann nicht beurteilt werden, ob Metastasen vorhanden sind

Manchmal hat die TNM Bezeichnung einen Buchstaben vorweg als Zusatz. Er kennzeichnet, wann die Beschreibung der Tumorausbreitung erfolgt ist.

cTNM weist zum Beispiel darauf hin, dass die Beschreibung der Tumorausbreitung nach der klinischen Untersuchung erfolgt ist.

pTNM weist zum Beispiel darauf hin, dass die Beschreibung der Tumorausbreitung nach der Operation durch eine pathologische Untersuchung vorgenommen wurde.