Den Tumor vollständig entfernen

Die vollständige Entfernung der Prostata (radikale Prostatektomie) als Therapiemöglichkeit empfiehlt sich vor allem, wenn der Krebs auf die Prostata begrenzt ist. Diese Operation ist die derzeit am häufigsten angewandte und eine sehr bewährte Methode. Mit ihr hat man die längste Erfahrung in der Behandlung des lokalisierten Prostatakarzinoms.

Große Erfahrung

Die Martini-Klinik ist weltweit führend bei der Anzahl durchgeführter Prostatektomien. Hier haben die Ärzte bereits mehr als 22.000 Patienten operiert. In der Martini-Klinik werden mittlerweile jährlich mehr als 2.200 Prostatektomien* durchgeführt.

Diese Zahlen sind umso eindrucksvoller, wenn man berücksichtigt, dass in Deutschland die Hälfte aller urologischen Abteilungen weniger als 40 radikale Prostatektomien im Jahr durchführen. Es gibt kein Mindestmaß an Operationen, die ein Zentrum nachweisen muss, wenn ein Qualitätszertifikat beantragt werden soll. Unbestritten ist aber, dass eine große Anzahl an operativen Erfahrungen einen absoluten Schlüsselfaktor für die sichere Tumorkontrolle und optimale Lebensqualität nach einem solchen Eingriff darstellt. 

Nebenwirkungen und Risiken

Viele Betroffene scheuen sich vor diesem Eingriff aus Angst, Kontinenz und/oder Potenz zu verlieren. Diese Folgen treten ein, wenn die Gefäß-Nerven-Stränge, die sehr nah an der Prostata anliegen, während der Operation geschädigt oder mit entfernt werden beziehungsweise wenn der Schließmuskel für die Urinkontrolle nicht vollständig geschont werden kann.

Ausschließlich den Tumor aus der Prostata zu entfernen und diese dabei zu erhalten ist jedoch keine Option. Mehr als 80% aller Prostakrebse sind multifokal, das bedeutet, dass viele kleine Tumorherde in der Prostata vorhanden sind. Diese sind während der Operation mit dem bloßen Auge nicht zu erkennen. Um festzustellen, ob der Tumor die Kapsel überschritten hat, führen wir noch während der Operation den sogenannten Schnellschnitt durch (NeuroSAFE-Technik). Dieser gibt uns Auskunft darüber, ob die an die Prostata anliegenden Nerven geschont werden können oder ggf. auch entfernt werden müssen. 

Die potenzerhaltende Entnahme der Prostata und die vollständige Schonung des Schließmuskels sind besondere Schwerpunkte der Martini-Klinik. Dabei wird die sehr feine Schicht, welche die Gefäß- und Nervenstrukturen für die Kontinenz- und Erektionsfähigkeit enthält, vorsichtig von der Prostata abgelöst und verbleibt somit als intakte Struktur im Körper. Auch der Schließmuskel wird in seiner vollen Länge erhalten. So bleiben Kontinenz und Potenz in den meisten Fällen auf dem Niveau von vor dem Eingriff.

Verschiedene Operationstechniken

Die Martini-Klinik bietet verschiedene Operationstechniken an:

  • Die offen-chirurgische vollständige Entfernung der Prostata, die sogenannte radikale retropubische Prostatektomie. Dabei wird die Prostata durch einen kleinen Unterbauchschnitt entnommen. Die Operation wird mit mikrochirurgischer Technik unter lupenmikroskopischer Vergrößerung durchgeführt. 
  • Die minimal-invasive, roboterassistierte Operation mit dem Operationssystem da Vinci®. Mit dem weltweit modernsten laparoskopischen OP-System nimmt der Operateur den Eingriff mit Hilfe eines „Operationsroboters“ vor, der über mikrochirurgische Instrumente und ein Kamerasystem verfügt, welches ein dreidimensionales Bild liefert. Mittlerweile sind drei da Vinci®-Operationssysteme in der Martini-Klinik installiert. 

Ein Vorteil der Martini-Klinik ist, beide Verfahren anbieten zu können, um die guten Ergebnisse in Hinblick auf Krebsheilungsrate, Kontinenz und Potenz zu erzielen. Die jeweilige Operationsmethode kann so auf das individuelle Krankheitsbild jedes Patienten angepasst werden. Für die meisten Patienten sind beide Verfahren gleich gut anwendbar. 

Häufig gestellte Fragen

Treffe ich bei einer möglichen Operation auf einen erfahrenen Operateur?

Die Operateure der Martini-Klinik sind alle auf die Operationen spezialisiert und führen ca. 200 bis 300 Operationen jährlich durch. Insgesamt überblicken die neun Operateure der Martini-Klinik weit über 14.000 Operationen in den letzten 20 Jahren.

Therapie > Operation

Ist es sinnvoll, vor einer Operation Eigenblut zu spenden?

Die Notwendigkeit einer Bluttransfusion nach Operation ist sehr gering (3 – 5 %). Dem entsprechend würde die überwiegende Mehrzahl der Patienten „umsonst“ die Eigenblutspende durchführen und auf der anderen Seite durch die Eigenblutspende „geschwächt“ in die Operation gehen. Aus diesem Grunde empfehlen wir die Eigenblutspende nicht.

Therapie > Operation < Ablauf einer Operation

Bietet die Martini-Klinik nur die Operation an?

Nein, es wird das ganze Spektrum der modernen leitlinienkonformen Behandlung wie Operation (offen oder DaVinci-Methode), Bestrahlungstherapie (Brachy-Therapie/klassische externe Bestrahlung), abwartendes Management (aktive Surveillance oder watchful Waiting) und Hormontherapie angeboten. 

Gibt es eine Ergebniskontrolle?

Ja, die Martini-Klinik gehört zu den wenigen operativ tätigen Kliniken, die nach einer Woche, nach drei Monaten und dann Jahr für Jahr die Ergebnisse bei den von ihnen operierten Patienten abfragen und innerhalb des jährlichen Abstands auswerten. Die Martini-Klinik beschäftigt vier Personen, um dies zu organisieren. Dies ist in dem Budget der meisten operativ tätigen Kliniken nicht enthalten. Ergebnisse im Hinblick auf die Heilungsraten, die Kontinenz und Potenz können Sie unter „Resultate“ auf der ersten Seite der Homepage anklicken. Diese Ergebnisse können jeden Patienten basierend auf eigenen Daten im Beratungsgespräch vermittelt werden.

Forschen > Wissen > Heilen

Kann bei mir eine Nervschonung durchgeführt werden?

Bei fast allen Patienten wird die Nervschonung zur Erhaltung der Potenz während der Operation durchgeführt. Es ist nur dann nicht möglich, wenn auch nur einzelne Zellen vom Krebs bereits an die Nerven, die seitlich an der Prostatawand kleben, herangewachsen sind. Als einzige Klinik in Deutschland überprüft die Martini-Klinik bei dem Patienten mit der Neuro-Safe-Technik während der Operation, ob der Schnittrand, der an die Nerven angrenzt, schon Tumorzellen enthält. 

Basierend darauf wird entschieden, ob die Nerven auf jeder Seite endgültig erhalten bleiben können oder ob sie doch noch entfernt werden müssen. Durch diese in der Martini-Klinik entwickelte Methode wurde in der Vergangenheit bei 88 bis 99 % der Patienten, je nach Stadium des Tumors (insgesamt bei 97 %), eine Nerverhaltung durchgeführt. 

Wie lange muss ich mit einer Inkontinenz rechnen?

Einige Patienten haben bereits in den ersten Wochen nach der Entfernung des Katheters eine gute Kontinenz. Nach 3 Monaten haben bereits ⅔ aller Patienten eine fast perfekte Kontinenz. Bei einigen Patienten kann die Entwicklung der Kontinenz auch länger als 3 Monate brauchen. Dies hängt auch von den individuellen Risikofaktoren ab, wie zum Beispiel Prostatagröße, Prostatavoroperationen, Lebensalter, Begleiterkrankungen.

Muss ich Sorge haben, dass ich nach der Operation eine Infektion mit den sogenannte multiresistenten Keimen bekomme?

Zum Glück ist die Infektionsrate in unserer Klinik generell sehr gering. Die Rate an Infektionen mit sog. multiresistenten Keimen ist entsprechend sehr niedrig. Dieses ist in der besonderen Situation einer spezialisierten Klinik begründet. Des Weiteren werden strikte Strategien zur Verhinderung solcher Infektionen in der Martini-Klinik durchgeführt.

Die Martini-Klinik > Qualitätsmanagement

Wie lange muss ich nach der Operation im Krankenhaus liegen?

Der stationäre Aufenthalt beträgt ca. eine Woche.

Die Martini-Klinik > Ihr Aufenthalt > Ablauf > Radikale Prostatektomie

Wie lange dauert die Genesung nach der Operation?

Wir veranschlagen ca. zwei bis drei Wochen zur weiteren Genesung nach der Entlassung aus dem Krankenhaus. Nach dieser Zeit sind Sie dann meistens für die täglichen Verrichtungen ausreichend erholt.

Erhalte ich nach der Operation einen Urinkatheter?

Ja, während der Operation wird bei allen Operationsverfahren ein Urinkatheter eingelegt. Dieser verbleibt in der Regel eine bis zwei Wochen nach der Operation. 

*Die Zahlen setzen sich aus Patienten der Martini-Klinik und Patienten des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf zusammen