Schnellschnittverfahren

Die Potenz wird über sehr dünne und empfindliche Nervenfasern gesteuert, die auf ihrem Weg vom Gehirn zum Penis sehr dicht an der Prostata entlang verlaufen. Kann man diese feinen Gefäßnervenstrukturen während der Operation schonen, wird in den überwiegenden Fällen auch die Erektionsfähigkeit erhalten. 

Die nervschonende Operation ist – ob offenchirurgisch oder da Vinci®-roboterassistiert – nur dann für den Patienten ohne zusätzliches Risiko möglich, wenn der Tumor innerhalb der Prostatakapsel lokalisiert ist. Haben Tumorzellen die Kapsel im Bereich der Gefäß-Nerven-Bündel bereits durchbrochen, muss das die Prostata umgebende Nervengewebe einseitig oder beidseitig entfernt werden. Zurzeit gibt es noch kein Verfahren, das vor der Operation diese für die Therapie entscheidenden Informationen mit einer Genauigkeit liefern kann, die unseren Ansprüchen an die Sicherheit des Patienten gerecht wird. In keinem Falle ist es mit dem bloßen Auge möglich, eine Tumorausbreitung in die Gefäß-Nerven-Stränge zweifelsfrei zu erkennen. 



Die Martini-Klinik hat ein Verfahren für die vollflächige Untersuchung der Kontaktflächen der entnommenen Prostata zum Gefäß-Nerven-Geflecht etabliert, das noch während der Operation eine Entscheidungshilfe bietet: den sogenannten intraoperativen Schnellschnitt, die NeuroSAFE-Technik. Ist die Prostata entnommen, schneidet der Operateur im Operationssaal die Seitenränder des Organs ab. Diese werden umgehend im auf Prostatakrebs spezialisierten Institut für Pathologie am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf mikroskopisch untersucht. Etwa 30 Minuten später teilt der Pathologe dem Operateur das Ergebnis telefonisch mit. Sind die untersuchten Seitenränder der Prostata tumorfrei, können die Gefäß-Nerven-Stränge erhalten werden. Werden Krebszellen am Schnittrand nachgewiesen, müssen Teile des betroffene Gefäß-Nerven-Strang während der laufenden Operation zugunsten der Tumorheilung entfernt werden.



Vorteile der NeuroSAFE-Technik



Kein bildgebendes Verfahren (auch nicht Sonographie, MRT, PET-CT) ist genauer als die mikroskopische Untersuchung des Gewebes, um die Tumorausdehnung mit maximaler Sicherheit für den Patienten zu beurteilen. Dank der NeuroSAFE-Technik wird nur das wirklich vom Tumor betroffene Nervengewebe entfernt. Gesundes Nervengewebe kann sicher geschont werden. Mittels dieser in der Martini-Klinik entwickelten OP-Technik kann eine Tumorausbreitung über die Prostatakapsel hinaus noch während der Operation entdeckt und durch die Entfernung des betroffenen Gewebes die Heilungschance signifikant verbessert werden. Das bedeutet maximale Sicherheit bei gleichzeitig maximalem Nerverhalt: Über 98 % aller organbegrenzten Tumoren werden in der Martini-Klinik mit Hilfe der NeuroSAFE-Technik nervschonend operiert – ein Wert, den kaum eine andere Klinik weltweit erreicht.