Individualisiertes OP-Verfahren verbessert Kontinenz nach Prostataentfernung

Inkontinenz ist die gefürchtetste Nebenwirkung, die nach der operativen Entfernung eines Prostatakarzinoms auftreten kann. Um diese zu vermeiden, haben wir die FFLU Operationstechnik (Full-Functional-Length-Uretha) entwickelt, mit der die Funktionstüchtigkeit des Harnröhrenschließmuskels komplett erhalten bleiben kann.

Eine Besonderheit der Prostatakarzinomchirurgie ist, dass die ca. kastaniengroße Prostata unmittelbar von wichtigem funktionellem Gewebe umgeben wird. So ist die Prostata direkt mit der Harnblase und dem Harnröhrenschließmuskel verbunden und wird weiterhin von einem feinen Nervengeflecht eingehüllt, welches die Erektion steuert. Diese Strukturen müssen bei einer operativen Entfernung der Prostata unbedingt geschont werden, um gravierende Nebenwirkungen zu verhindern.

An der Martini-Klinik haben wir eine Operationsmethode entwickelt, mit deren Hilfe es gelingt, die komplette funktionelle Länge des Harnröhrenschließmuskels sowie die komplette anatomische Einbettung des Schließmuskels in die Beckenbodenanatomie zu erhalten. Mit Einführung der neuen Operationstechnik konnte eine signifikante Verbesserung der Frühkontinenz erzielt werden.

Die operativen Modifikationen sind das Resultat von anatomischen Studien, die gezeigt haben, dass ein signifikanter Anteil des Harnröhrenschließmuskels in der Prostata lokalisiert ist. Dieser Anteil kann individuell zwischen 10 und 40% der funktionellen Muskellänge variieren. 

Bei der neuen Operationsmethode wird die Harnröhre so präpariert, dass der Schließmuskel vollständig erhalten bleibt und seine anatomische einwandfreie Lage bei der Operation wieder rekonstruiert wird. Ein Großteil der Patienten erlangt schon kurz nach der Operation die Kontrolle über ihre Blase vollständig zurück. 

Häufig gestellte Fragen

Wie lange muss ich mit einer Inkontinenz rechnen?

Einige Patienten haben bereits in den ersten Wochen nach der Entfernung des Katheters eine gute Kontinenz. Nach 3 Monaten haben bereits ⅔ aller Patienten eine fast perfekte Kontinenz. Bei einigen Patienten kann die Entwicklung der Kontinenz auch länger als 3 Monate brauchen. Dies hängt auch von den individuellen Risikofaktoren ab, wie zum Beispiel Prostatagröße, Prostatavoroperationen, Lebensalter, Begleiterkrankungen.