Besondere Operationstechniken der Martini-Klinik

Die potenzerhaltende Entnahme der Prostata und die vollständige Schonung des Harnröhrenschließmuskels sind das Ziel jeder radikalen Prostatektomie, dessen Erreichung ein besonderer Schwerpunkt der Martini-Klinik ist. Durch spezielle Operationstechniken bleiben Kontinenz und Potenz in den meisten Fällen auf dem Niveau von vor dem Eingriff.
Die Operationstechniken werden bei beiden Operationsmethoden angewandt, sowohl bei der klassischen offenen Operation, als auch bei der roboterassistierten Operation mit dem da Vinci-System.

Animationsfilm

Operationsverfahren

Erklärung der Anatomie, Funktion der Prostata und der Operationsmethoden einer radikalen Prostatektomie inklusive Nervschonung, OP-Technik zum Erhalt der Kontinenz (FFLU) und Potenz NeuroSAFE-Methode.

Erhaltung der Kontinenz durch spezielle Harnröhrenpräperation

Inkontinenz ist die gefürchtetste Begleiterscheinung, die nach der radikalen Prostatektomie auftreten kann. Um diese zu vermeiden, haben wir die FFLU-Operationstechnik (Full-Functional-Length-Uretha) entwickelt, mit der die Funktionstüchtigkeit des Harnröhrenschließmuskels komplett erhalten bleiben kann. Dabei wird die Harnröhre so präpariert, dass der Schließmuskel vollständig, in kompletter funktionellen Länge erhalten bleibt und seine anatomische einwandfreie Lage im Beckenboden rekonstruiert wird. 

Durch dieses Verfahren kann eine signifikante Verbesserung der Frühkontinenz erzielt werden und ein Großteil der Patienten erlangt schon kurz nach der Operation die Kontrolle über ihre Blase vollständig zurück. 

Eine detaillierte Beschreibung der FFLU-Operationstechnik finden Sie im Arztbereich dieser Webseite.

Häufig gestellte Fragen

Wann bin ich wieder kontinent?

Einige Patienten haben bereits in den ersten Wochen nach der Entfernung des Katheters eine gute Kontinenz. Nach 3 Monaten haben bereits ⅔ aller Patienten eine fast perfekte Kontinenz. Bei einigen Patienten kann die Entwicklung der Kontinenz auch länger als 3 Monate brauchen. Dies hängt auch von den individuellen Risikofaktoren ab, wie zum Beispiel Prostatagröße, Prostatavoroperationen, Lebensalter, Begleiterkrankungen.

Erhaltung der Potenz und Nervschonung durch intraoperative Schnellschnitttechnik

Die Prostata ist unmittelbar von wichtigem funktionellem Nervengewebe umgeben. Dieses feine Nervengeflecht steuert die Erektion und ist somit auch für den Erhalt der Potenz notwendig. Kann man diese feinen Gefäßnervenstrukturen während der Operation schonen, indem sie Millimeter für Millimeter von der Prostata gelöst wird, bleibt in den überwiegenden Fällen auch die Erektionsfähigkeit erhalten. 

Für den Patienten ist dieses Verfahren ohne zusätzliches Risiko möglich, wenn der Tumor innerhalb der Prostatakapsel lokalisiert ist. Haben Tumorzellen die Kapsel im Bereich der Gefäß-Nerven-Bündel bereits durchbrochen, muss auch das die Prostata umgebende Nervengewebe einseitig oder beidseitig entfernt werden. 
Aus Ergebnissen eigener Untersuchungen wissen wir, dass die Erektionsrate bei präoperativ potenten Männern für einen Geschlechtsverkehr ausreichend ist. Sie liegt bei 84 % bis 92 % wenn eine beidseitige und bei 58 % bis 70 %, wenn eine einseitige Nerverhaltung durchgeführt wurde.

Schnellschnitt - die NeuroSAFE-Technik

Um nervschonend und somit potenzerhalten zu operieren, hat die Martini-Klinik hat ein Verfahren für die vollflächige Untersuchung der Kontaktflächen der entnommenen Prostata zum Gefäß-Nerven-Geflecht etabliert, das noch während der Operation eine Entscheidungshilfe bietet: den sogenannten intraoperativen Schnellschnitt, die NeuroSAFE-Technik. Ist die Prostata entnommen, schneidet der Operateur im Operationssaal die Seitenränder des Organs ab. Diese werden umgehend im auf Prostatakrebs spezialisierten Institut für Pathologie am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf mikroskopisch untersucht. Etwa 30 Minuten später teilt der Pathologe dem Operateur das Ergebnis telefonisch mit. Sind die untersuchten Seitenränder der Prostata tumorfrei, können die Gefäß-Nerven-Stränge erhalten werden. Werden Krebszellen am Schnittrand nachgewiesen, müssen Teile des betroffenen Gefäß-Nerven-Strangs während der laufenden Operation zugunsten der Tumorheilung entfernt werden.

Maximale Sicherheit bei gleichzeitig maximalem Nerverhalt: Über 98 % aller organbegrenzten Tumoren werden in der Martini-Klinik mit Hilfe der NeuroSAFE-Technik nervschonend operiert – ein Wert, den kaum eine andere Klinik weltweit erreicht.

Zurzeit gibt es noch kein Verfahren, das vor der Operation diese für die Therapie entscheidenden Informationen mit einer Genauigkeit liefern kann, die unseren Ansprüchen an die Sicherheit des Patienten gerecht wird. In keinem Falle ist es mit dem bloßen Auge möglich, eine Tumorausbreitung in die Gefäß-Nerven-Stränge zweifelsfrei zu erkennen.

Vorteile der NeuroSAFE-Technik



  • Kein bildgebendes Verfahren (auch nicht Sonographie, MRT, PET-CT) ist genauer als die mikroskopische Untersuchung des Gewebes, um die Tumorausdehnung mit maximaler Sicherheit für den Patienten zu beurteilen. 
  • Dank der NeuroSAFE-Technik wird nur das wirklich vom Tumor betroffene Nervengewebe entfernt. Gesundes Nervengewebe kann sicher geschont werden. 
  • Eine Tumorausbreitung über die Prostatakapsel hinaus kann noch während der Operation entdeckt und durch die Entfernung des betroffenen Gewebes die Heilungschance signifikant verbessert werden. 

Ergebnisse im Hinblick auf die Heilungsraten

Die Operationsergebnisse inm Bezug auf die Kontinenz und Potenz können Sie unter „Resultate“ einsehen. Diese Ergebnisse können jeden Patienten basierend auf eigenen Daten im Beratungsgespräch vermittelt werden.

Häufig gestellte Fragen

Kann bei mir eine Nervschonung durchgeführt werden?

Bei fast allen Patienten wird die Nervschonung zur Erhaltung der Potenz während der Operation durchgeführt. Es ist nur dann nicht möglich, wenn auch nur einzelne Zellen vom Krebs bereits an die Nerven, die seitlich an der Prostatawand kleben, herangewachsen sind. Als einzige Klinik in Deutschland überprüft die Martini-Klinik bei dem Patienten mit der Neuro-Safe-Technik während der Operation, ob der Schnittrand, der an die Nerven angrenzt, schon Tumorzellen enthält. 

Basierend darauf wird entschieden, ob die Nerven auf jeder Seite endgültig erhalten bleiben können oder ob sie doch noch entfernt werden müssen. Durch diese in der Martini-Klinik entwickelte Methode wurde in der Vergangenheit bei 88 bis 99 % der Patienten, je nach Stadium des Tumors (insgesamt bei 97 %), eine Nerverhaltung durchgeführt. 

Im Spiegel der Presse

Stete Verbesserung der Behandlungsqualität

September 2012 / deutsches Ärzteblatt

Stete Verbesserung der Behandlungsqualität

Aufwand und Vorteile einer Datenbank mit systematischer Erfassung der Langzeitergebnisse: 20-jährige Erfahrung einer operativ tätigen Klinik