Genetische Veranlagung, Schutz- und Risikofaktoren

Die Ursachen von Prostatakrebs sind bislang noch weitgehend unbekannt. Es gibt jedoch bestimmte Faktoren, die das Risiko für ein Prostatakarzinom erhöhen. Es gibt Risikofaktoren, die man beeinflussen kann, andere nicht. Beim Lungenkrebs ist ein solcher beinflussbarer Risikokaktor das Rauchen, bei Hautkrebs ist es die Sonneneinstrahlung. Wer weniger raucht, senkt sein Risiko an Lungenkrebs zu erkranken; Wer sich vor Sonnenstrahlung schützt, senkt sein Risiko an Hautkrebs zu erkranken. Beim Prostatakrebs sind die Zusammenhänge nicht so eindeutig.

Sichere Risikofaktoren sind lediglich:
  • Das Alter: Mehr als 80 % aller Männer, bei denen Prostatakrebs festgestellt wird, sind älter als 60 Jahre.
  • Genetische Veranlagung: Ein Mann, dessen Vater oder Bruder ein Prostatakarzinom hat, hat ein etwa zweimal höheres Risiko, ebenfalls an Prostatakrebs zu erkranken gegenüber der übrigen männlichen Bevölkerung. Sind weitere Verwandte betroffen (Großvater, Onkel), kann das Risiko auf bis zu 50 % steigen. Der Anteil der genetisch bedingten Prostatakrebserkrankungen wird auf 5 bis 10 % geschätzt.
  • Ethnische Herkunft: Tendenziell eher selten ist das Prostatakarzinom bei Patienten aus dem asiatischen Raum. Im Gegensatz dazu tritt die Erkrankung bei Afro-Amerikanern statistisch am häufigsten auf.
  • Eine ballaststoffarme Ernährung mit viel tierischen Fetten und viel rotem Fleisch fördert möglicherweise das Prostatakrebsrisiko. Eine fettarme, ballaststoffreiche Kost hingegen scheint das Risiko eher zu senken, so dass eine Ernährung mit wenig Fett aus Fleisch und Wurst eine sinnvolle vorbeugende Maßnahme gegen Prostatakrebs darstellen kann.


"Risikofaktoren zu vermeiden und schützende Faktoren zu beachten kann eine Krebsentstehung verhindern."

Dr. Imke Thederan 

Faktoren, die das Prostatakrebs-Risiko erhöhen können

Allgemein geht man davon aus, dass durch die Vermeidung von bestimmten Risikofaktoren das Risiko für die Entstehung spezifischer Tumoren reduziert werden kann. Mögliche Risikofaktoren können Rauchen, Übergewicht oder zu wenig Bewegung sein. Es gibt aber noch weitere Faktoren, die in Verdacht stehen, dass sie das Risiko für ein Prostatakarzinom erhöhen könnten.

Hormone

Das wichtigste Sexualhormon beim Mann ist Testosteron, das für die Entwicklung der männlichen Geschlechtsmerkmale wichtig ist und auch für die normale Funktion der Prostata notwendig ist. Testosteron wird im Körper enzymatisch in Dihydrotestosteron (DHT) umgewandelt. DHT ist ein wichtiger Wachstumsfaktor für die Prostata. Es gibt Hinweise, dass DHT auch in der Entwicklung des Prostatakarzinoms eine Rolle spielen könnte.

Vitamin E

Die Wirkung von Vitamin E auf das Entstehungsrisiko von Prostatakarzinomen ist in der SELECT-Studie (The Selenium and Vitamin E Cancer Prevention Trial) untersucht worden. Dabei hat sich gezeigt, dass die alleinige Einnahme von Vitamin E das Risiko für ein Prostatakarzinom erhöht. Dieses Risiko blieb auch nach Absetzen der Vitamin E-Einnahme bestehen. 

Künstliche Folsäure/Folat

Künstlich hergestellte Folsäure befindet sich häufig in Vitaminpräparaten und wird z. B. bei Vollkornprodukten und anderen Lebensmitteln angereichert. In einer Studie konnte gezeigt werden, dass die Einnahme von 1 mg Folsäure über 10 Jahre ein erhöhtes Risiko für ein Prostatakarzinom ergab.

Milchprodukte und Kalzium

Bei Männern, die sehr viel Milchprodukte und Kalzium zu sich nehmen, gibt es Hinweise auf ein leicht erhöhtes Risiko für ein Prostatakarzinom. 

Faktoren, die das Prostatakrebs-Risiko reduzieren können

Gesunde Ernährung, regelmäßiger Sport und Aufgabe des Rauchens sind protektive Faktoren, die helfen können, bestimmte Krebsarten zu vermeiden. Sprechen Sie mit Ihrem Arzt, wie Sie Ihr persönliches Krebsrisiko individuell senken könnten.

Natürliche Folsäure/Folat 

Folsäure gehört zu den Vitaminen aus dem B-Komplex. Natürlicherweise kommt es in Vollkornprodukten und unter anderem in grünem Gemüse vor. In der gleichen Untersuchung, die bei der regelmäßigen Einnahme von künstlich hergestellter Folsäure  ein erhöhtes Prostatakarzinomrisiko ergab, zeigte sich, dass bei ausreichender Menge von natürlicher Folsäure in der Nahrung, das Risiko gesenkt werden konnte.

Einnahme der Medikamente Finasterid und Dutasterid 

Das männliche Sexualhormon Testosteron wird im Körper enzymatisch in Dihydrotestosteron (DHT) umgewandelt. Es wird angenommen, dass erhöhte Werte von DHT eine Rolle in der Entstehung eines Prostatakarzinoms spielen können. Die Medikamente Finasterid und Dutasterid blocken das Enzym, das Testosteron in DHT umwandelt. Somit kann durch diese Medikamente die Menge an DHT im Körper reduziert werden. Üblicherweise werden die Medikamente bei der BPH zur Verkleinerung einer vergrößerten Prostata eingesetzt. In Studien konnte gezeigt werden, dass Finasterid oder Dutasterid darüberhinaus tatsächlich das Risiko, an einem Prostatakarzinom zu erkranken, reduzieren konnten. Unklar ist, ob damit auch das Risiko, an einem Prostatakarzinom zu versterben, beeinflusst werden konnte. In der PCPT-Studie (The Prostate Cancer Prevention Trial) wurde untersucht, ob Finasterid bei gesunden Männern über 55 Jahren das Auftreten eines Prostatakarzinoms reduzieren konnte. Tatsächlich konnte die Untersuchung zeigen, dass weniger Männer ein Prostatakarzinom entwickelten, die das Medikament Finasterid eingenommen hatten. Allerdings zeigte sich, dass bei diesen Männern ein aggressiverer Tumor auftrat. Im Vergleich zu Männern, die kein Finasterid einnahmen, verstarben gleich viele Männer an ihrem Prostatakarzinom. Männer, die Finasterid einnahmen, hatten mehr Nebenwirkungen, wie Verschlechterung der Erektionsfähigkeit, Libidoverlust und Brustvergrößerungen. 

In der REDUCE-Studie (The Reduction by Dutasterid of Prostate Cancer Event Trial) wurde ebenfalls eine ähnliche Untersuchungen bei gesunden Männern zwischen 50 und 75 Jahren durchgeführt. Auch hier zeigte sich, ähnlich wie in der PCPT-Studie, dass weniger Männer an einem Prostatakarzinom erkrankten, die dass Medikament Dutasterid eingenommen hatten. Dies galt für die wenig aggressiven Prostatakarzinome. Die Anzahl der aggressiven Prostatakarzinome konnte allerdings nicht vermindert werden. Auch Männer, die Dutasterid eingenommen hatten, berichten über vermehrte Nebenwirkungen, ähnlich wie beim Finasterid. 

Faktoren ohne oder ohne ausreichend nachgewiesenem Effekt auf das Prostatakrebs-Risiko

Die im Folgenden genannten Faktoren wurden bisher in größeren Studien untersucht. Viele weitere Faktoren, die hier nicht aufgeführt sind, wurden oder werden in weiteren Studien untersucht. Beispielsweise werden derzeit die unzureichende Vitamin-D-Versorgung oder Viren als weitere Ursachen für Prostatakrebs erforscht. Bisher sind diese Studien aber noch nicht geeignet, um eine Aussage zum Effekt auf ein Prostatakarzinom machen zu können. 

Selen und Vitamin E

Die bereits erwähnte SELECT-Studie untersuchte den Einfluss von Vitamin E und Selen auf die Entstehung eines Prostatakarzinoms bei gesunden Männern über 54 Jahren. Die Studie zeigte, dass die Einnahme von Selen oder in der Kombination mit Vitamin E keinen Einfluss auf die Entstehung eines Prostatakarzinoms hatte. 

Diät

Ob die Reduzierung von Fett in der Nahrung oder die vermehrte Nahrungsaufnahme von Obst und Gemüse das Risiko für ein Prostatakarzinom reduziert, ist bisher nicht ausreichend belegt. Die Rolle von bestimmten Fettsäuren in der Entstehung von Prostatakarzinomen ist widersprüchlich. 

Multivitaminpräparate

Die regelmäßige Einnahme von Multivitaminpräparaten konnte bisher keinen positiven Effekt auf die Entstehung eines Prostatakarzinoms beweisen. Allerdings zeigte eine häufige Einnahme von Multivitaminpräparaten (mehr als 7mal/Woche) sogar einen negativen Effekt (erhöhtes Risiko für ein fortgeschrittenes Tumorstadium). 

Lycopin

Lycopin gehört zur Klasse der Carotinoiden und wird in hoher Konzentration in Tomaten und Hagebutten gefunden. Bisher konnte nicht eindeutig gezeigt werden, dass Lycopin-Präparate einen positiven Effekt auf die Entstehung eines Prostatakarzinoms haben. Einige Studien konnten einen positiven Effekt zeigen, praktisch gleich viele Studien konnten aber auf der anderen Seite keinen Effekt belegen.

Genetische und hormonelle Ursachen für Prostatakrebs

An Prostatakrebs erkranken meist ältere Männer, doch in einigen Fällen trifft die Diagnose auch jüngere. Die Entstehungsmechanismen sind bei jüngeren Männern andere als bei älteren, wie Forscher nun zeigen konnten. Anders als bei den Senioren spielen bei den Jüngeren hormonelle Faktoren eine Rolle. Das männliche Geschlechtshormon beeinflusst die Funktion der Prostata. Es kann aber auch das Wachstum von Prostatakrebszellen fördern.

In einem internationalen Forschungsprojekt, an dem Prof. Thorsten Schlomm, Leitender Arzt in der Martini-Klinik, maßgeblich beteiligt war, konnte ein besonderer genetischer Mechanismus für die frühe Entstehung von Prostatakrebs bei jüngeren Männern aufgedeckt werden.

Diese Unterschiede wurden in einer Untersuchung an mehr als 10.000 in der Martini-Klinik operierten Patienten bestätigt.

„Wir hoffen, dass unsere Erkenntnisse die Entwicklung neuer Strategien zur Diagnose und individualisierten Therapie fördern. Beispielsweise könnte im Blut von Risikopatienten nach diesen spezifischen Genveränderungen gefahndet werden,"

Prof. Dr. Thorsten Schlomm

Wenn die Forschung dieses Ziel erreicht, könne die Diagnose von relevanten Tumoren in einem noch früheren Stadium als heute gestellt und schneller gehandelt werden.