Pressemitteilung vom 21. Juni 2012

Bessere Lebensqualität und größere Heilungschancen bei Prostatakrebs durch individualisierte OP-Technik

Dank der NeuroSAFE-Technik können Spezialisten der Martini-Klinik am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) die exakte Tumorausdehnung bereits während der Prostata-Operation feststellen. Mit über 2.000 Operationen jährlich ist die Martini-Klinik das weltweit größte Zentrum für Prostatakrebs.

"Bei über 97 Prozent aller Patienten können wir mit der NeuroSAFE-Technik das Prostata umgebende Nervengewebe schonen und Kontinenz sowie Potenz erhalten", berichtet Prof. Dr. Thorsten Schlomm. Gemeinsam mit seinen Kollegen hat der leitende Arzt der Martini-Klinik die Schnellschnittuntersuchung, inzwischen Routine am Spezialzentrum, zwischen 2002 und 2011 an über 11.000 Patienten angewandt. Das Besondere: Noch während der OP untersucht ein Pathologe die entnommene Prostata mikroskopisch. "Auf Basis des Laborergebnisses entfernen wir präzise nur das wirklich vom Tumor betroffene Nervengewebe und garantieren dem Patienten maximale Sicherheit und Lebensqualität", betont Schlomm. Nachzulesen sind die Studienergebnisse im Fachmagazin European Urology, Ausgabe Mai 2012.

So viel Erhalt wie möglich, so viel Schnitt wie nötig

Etwa 70.000 Männer erkranken jährlich neu an Prostatakrebs. Damit ist der Krebs an der Vorsteherdrüse die häufigste Krebserkrankung und die zweithäufigste Krebstodesursache bei Männern. Fraglich ist oft, ob Zellen über die Kapsel der Prostata hinaus in angrenzendes Nervengewebe gestreut haben - ein Risiko für den Patienten und eine Herausforderung für den Operateur. Denn mit dem bloßen Auge allein können Tumorzellen während der Operation nicht identifiziert werden. "Früher mussten wir bei vielen Männern das wichtige Nervengewebe komplett entfernen, um kein Risiko einzugehen", erklärt Prof. Dr. Markus Graefen, Ärztlicher Direktor der Martini-Klinik. Vor 15 Jahren entwickelte Klinikgründer Prof. Dr. Hartwig Huland das individualisierte Verfahren, welches das Ärzteteam der Martini-Klinik und das Institut für Pathologie des UKE kontinuierlich weiterentwickelten.

Bessere Heilungschancen für den Patienten

Mit der NeuroSAFE-Technik können Patienten sichergehen: Nach der Entnahme der Prostata trennt der Chirurg die Seitenränder des Organs ab, gibt Proben an die Pathologie weiter und erhält umgehend das Laborergebnis. Auf dieser Basis entscheidet er über das weitere Vorgehen. Sind Krebszellen aus der Prostata ausgetreten, kann der Chirurg diese mit dem angrenzenden Nervengewebe entfernen. Statt wie früher häufig das gesamte Nervengewebe herauszuschneiden, werden heute nur wirklich betroffene Anteile präzise entfernt. Die Vorteile: verbesserte Heilungschancen und ein besserer Erhalt von Kontinenz und Potenz.