Enzalutamid

Zweitlininen-Hormonentzugstherapie
Zulassung in Europa: 21. Juni 2013

Enzalutamid (MDV3100) ist ein Androgenrezeptorblocker der 2. Generation mit hoher Affinität zum Androgenrezeptor (AR). Im Unterschied zu den anderen derzeit verfügbaren Antiandrogenen wie z.B. Bicalutamid blockiert Enzalutamid die Translokation des AR in den Zellkern, die DNA-Bindung und Rekrutierung von Koaktivatoren und zeigt keine Agonisten-Wirkung [1,2].

In der Phase-III-Studie AFFIRM (A Study evaluating the Efficacy and Safety oft he Investigational Drug MDV3100) wurden 1199 Patienten mit kastrationsresistentem Prostatakarzinom nach Chemotherapie eingeschlossen und nach ECOG und Schmerz-Score stratifiziert. Randomisiert wurde 2:1 Enzalutamid 160 mg/Tag (800 Pat.) gegenüber Plazebo (399 Pat.). Primärer Endpunkt war das Gesamtüberleben. Nach einer geplanten Zwischenanalyse wurde die Studie aufgrund des Überlebensvorteils von Enzalutamid von 4,8 Monaten beendet (18,4 Monate vs 13,6 Monate; p<0.001). In den sekundären Endpunkten Messung des Ansprechens: PSA-Abfall, soft-tissue, Lebensqualität und Messung des Progress: Zeit bis zum PSA-Anstieg, radiologisches progressionsfreies Überleben, Zeit bis zum Auftreten skelett-bezogener Ereignisse zeigte sich ebenfalls ein Vorteil zugunsten von Enzalutamid. Ein PSA-Abfall von  ≥ 50 % trat bei 54 % der Patienten im Enzalutamid-Arm auf, die Zeit bis zur PSA-Progression und die Zeit bis zum Auftreten skelettbezogener Ereignisse betrug 8,3 Monate gegenüber 3 und 2,9 Monate im Plazebo-Arm. Bei insgesamt recht guter Verträglichkeit wurden als häufigste Nebenwirkungen Fatigue, Diarrhoe, Hitzewallungen, Muskelschmerzen und Kopfschmerzen beschrieben, Hypertonie wurde bei 6,6 % der mit Enzalutamid behandelten Patienten und 3,3 % der Patienten in der Plazebo-Gruppe beschrieben. Bei 5 der 800 Patienten im Enzalutamid-Arm traten Krampfanfälle auf (0,6 %).

Eine Phase-III-Studie bei chemotherapeutisch unbehandelten Patienten mit kastrationsresistentem Prostatakarzinom (PREVAIL) wir derzeit durchgeführt. 1717 Patienten wurden 1:1 Enzalutamid 160 mg/Tag gegen Plazebo randomisiert. Die auf dem ASCO-GU  im Januar 2014 vorgestellten Ergebnisse der Zwischenanalyse zeigten eine mediane Gesamtüberlebenszeit von 32,4 Monaten unter einer Therapie mit Enzalutamid und von 30,2 Monaten im Plazebo-Arm, der zweite primäre Endpunkt neben dem Gesamtüberleben ist das radiologische progressionsfreie Überleben: ein Progress trat im Plazebo-Arm nach 3,9 Monaten auf, im Enzalutamid-Arm war dieser Endpunkt zum Zeitpunkt der Auswertung noch nicht von 50 % der Patienten erreicht.