mpMRT und PIRADS 2.0 - Was muss der Urologe wissen?

Durch die Einbeziehung der MRT in den diagnostischen Ablauf wurde jüngst in verschiedenen hochrangig publizierten Studien eine Verbesserung der Tumordetektion und Optimierung der Therapieentscheidung bei Patienten mit Verdacht auf das Vorliegen eines Prostatakarzinoms gezeigt. Insbesondere für jüngere Patienten ist dies im Rahmen der Re-Biopsie und von Aktiven Überwachungsprotokollen wichtig. Daher werden für niedergelassene Urologinnen und Urologen Kenntnisse über Nutzen und Mehrwert sowie entscheidende Besonderheiten der modernen MRT basierten Prostatakarzinom-Diagnostik zunehmend wichtig.

Die multiparametrische MRT (mpMRT) Diagnostik ermöglicht die biologisch basierte Darstellung  von Wasser im Gewebe zur Beurteilung folgender Eigenschaften: Gewebsarchitektur, Zelldichte, lokale Tumorausbreitung (u.a. T2 Wichtung). Zusätzlich kann durch die diffusionsgewichtete Bildgebung (DWI) unter Berücksichtigung eines Diffusionskoeffizienten (ADC) zwischen ödematösem und potentiell tumorösen oder allgemein suspektem Gewebe differenziert werden. Die Verwendung von Gardolinium haltigem Kontrastmittel erlaubt zusätzlich noch eine Beurteilung der Perfusion spezifischer Areale und ermöglicht ggf. weitere Charakterisierungen der Läsionen.

Fusionsbiopsie im Vergleich zur Standardbiopsie

Im Vergleich zur rein Ultraschall basierten Biopsie kann die MR Fusionsbiopsie atypisch lokaliserte, wie z.B. anteriore oder streng apikale Tumore besser detektieren, da diese Areale auch auf Grund des Mangels eines sonographischen Korrelates, nur selten in der Standardbiopsie aufgesucht werden.  Unter anderem diese Besonderheit führte in der PROMIS und der PRECISION Studie zu einer weniger invasiven und deutlich präziseren Prostatakarzinomdiagnostik bei mpMRT Einsatz und verbesserte insbesondere den Nachweis klinisch signifikanter Prostatakarzinome (csPCa).

Eine gezielte Biopsie dieser Läsionen kann sowohl Software basiert als auch kognitiv durchgeführt werden. Die kognitive Fusionsbiopsie ist hierbei die kostengünstigste und einfachste Art der Fusionsbiopsie und kann ohne größeren apparativen Aufwand in der urologischen Praxis durchgeführt werden. Hierbei ist allerdings die Fusion von live-Ultraschall und der mpMRT stark von der Erfahrung des Untersuchers sowie der Befunddokumentation und Kommunikation zwischen Urologen und Radiologen abhängig.

Das PIRADS-System zur Kommunikation zwischen den Urologen

Aus urologischer Sicht ist die Kommunikation und Befunderhebung der mpMRT extrem relevant. Um einen Informationsverlust zu vermeiden sollte diese idealerweise nach dem PIRADS System, (Prostata Imaging and Reporting Archiving Data System) erfolgen. Der PIRADS Score besteht aus einer Fünfpunkte Likert Skala. Bei einem PIRADS Score von 1 ist  es sehr unwahrscheinlich das ein Tumor vorliegt, während hingegen bei einem PIRADS Score von 5 das Vorliegen eines Tumors sehr wahrscheinlich ist. In 2015 erfolgte eine Modifikation der initialen PIRADS Version und es wurde die PIRADS 2.0 Version  eingeführt: Hierbei wurden die einzelnen Sequenzen nach Lokalisation sowie die Gewichtung des Stellenwertes der einzelnen Sequenzen für die Interpretation überarbeitet. Die DWI und ADC ist seither als dominante Sequenz für die Beurteilung pathologischer Veränderungen in der peripheren Zone (PZ) und die T2-Wichtung als dominante Sequenz in der Transitionalzone anzusehen. Die jeweils nicht verwendete Sequenz wird zur weiteren Klassifikation der Läsionen genutzt.

Gleichzeitig erfolgt eine Einteilung der Prostata in 39 Sektoren, 36 für die Prostata, zwei für die Samenblasen und einer für die Urethra (siehe Abbildung 1). Die DCE (dynamische Kontrastmitteluntersuchung) spielt in PIRADS 2.0 nur noch eine untergeordnete Rolle verbessert die Unterscheidung zwischen PIRADS Score 3 und PIRADS Score 4. Für PIRADS 2.0 konnte mehrfach eine Verbesserung des Interpretationspielraumes sowie Reduktion der  Interobserver-Variabilität beobachtet werden. Um einer weitere Vereinheitlichung zu erzielen wurden von der Arbeitsgemeinschaft Uroradiologie und Urogenitaldiagnostik der Deutschen Röntgengesellschaft Empfehlungen zur Vorbereitung und Durchführung der mpMRT erarbeitet. Möglicherweise werden in der Zukunft neue diagnostische Protokolle eine weitere Verbesserung der Verfügbarkeit und auch der diagnostischen Auflösung der MRT Untersuchung der Prostata ermöglichen. 

 

Literatur

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