Kompetenz im Team

Die Martini-Klinik zeichnet sich durch das sogenannte Faculty-System aus: Zwölf Chefärzte sind für die Patienten zuständig. Jeder dieser Spezialisten hat seine Lebensaufgabe in der Martini-Klinik gefunden und sich innerhalb des Gebietes Prostatakarzinom auf einzelne Fachbereiche spezialisiert. Im operativen Bereich sprechen wir von sogenannten High-Volume-Chirurgen: Jeder operiert bis zu acht Patienten pro Woche – so ist die Ergebnisqualität nachweislich hervorragend. 

Interview mit Prof. Hartwig Huland über das Faculty-System

"Prof. Huland, Sie haben das Faculty-System an der Martini-Klinik eingeführt. Was ist das?"

Prof. Huland: "Dieser Begriff bezieht sich auf die Struktur der ärztlichen Leitung einer Klinik und ist aus dem Amerikanischen übernommen. In dem typisch deutschen System gibt es einen Chefarzt, gefolgt von Oberärzten und Assistenzärzten. Oberärzte sind eine begrenzte Zeit in einer Klinik und lernen zu operieren, um sich dann nach dieser Ausbildung selber als Chef woanders zu bewerben. Das Faculty-System hingegen bindet begabte Operateure langfristig an eine Klinik. Bei uns sind es zehn (mittlerweile elf) so genannte Chefärzte, die eine Lebenszeitposition in der Martini-Klinik gefunden haben."

"Und in wie weit profitieren dann Ihre Patienten von der Faculty?"

Prof. Huland: "Ein Faculty-System hat, bei einer komplizierten und komplexen Erkrankung, wie es das lokalisierte Prostatakarzinom ist, für den betroffenen Patienten sehr viele und große Vorteile. Der Eine ist, dass der Operateur, der an dieser Klinik bleibt und eben diese Tätigkeit über Jahre hinaus, bis an das Ende seines Berufslebens, durchführt, ein so genannter high-volume Chirurg ist. Dies bedeutet, dass er die Operation seines Spezialgebietes extrem häufig macht und seine Ergebnisse sehr gut kennt. Der einzelne Patient hat mithin also einen sehr erfahrenen Operateur. Der Zweite ist, dass sich jedes der Faculty-Mitglieder innerhalb dieses kleinen Gebietes des Prostatakrebs auf ein Subgebiet spezialisiert hat: Ein Kollege ist auf die Bildgebung bei der Vorsorgeuntersuchung spezialisiert und entwickelt diese weiter, der andere ist verantwortlich für die Neuentwicklungen im fortgeschrittenen Prostatakarzinom und so weiter. So besteht sehr viel Kompetenz im Team. Drittens hat der Patient nur eine einzelne, kompetente Person während des stationären Aufenthaltes als fachkundigen Ansprechpartner. Obwohl wir hier viele Operationen durchführen, bemerkt der einzelne Patient davon gar nichts: Er ist vor, während und nach der OP immer nur mit einer Person konfrontiert, anstatt durch verschiedene Ärzte betreut zu werden."

"Bedeutet das, dass Sie die Spitzenmediziner nur aufgrund der Faculty an einer Klinik zusammen bringen konnten?"

Prof. Huland: "Ich will es mal ein bisschen anders formulieren: Von den Oberärzten, die ich habe ausbilden dürfen, konnte ich, Gott-Sei-Dank, viele der Besten an die Martini-Klinik binden, sodass wir jetzt eine hohe Kompetenz hier im Hause halten können."

"Es sind jetzt zehn Faculty-Mitglieder. Ist die Spitze erreicht oder wollen Sie weiter wachsen?"

Prof. Huland: "Was die operative Behandlung und Bestrahlungsbehandlung anbelangt, denke ich bei der Vielzahl an Operationen, die wir hier durchführen – jeder 8. deutsche Patient wird hier bei uns operiert – dass ein weiteres Wachstum nicht möglich und auch nicht wünschenswert ist. Wir werden inhaltlich wachsen: Wir haben doch eine deutliche Entwicklung auf dem Gebiet der Bildgebung bei der Vorsorge vor uns: Die Diagnostik ist unendlich viel bereichert worden und so geht es auch kontinuierlich weiter. Da spielen wir natürlich auch mit dem Gedanken, weitere Chefärzte auf diesem Gebiet an unser Haus zu binden und die Faculty diesbezüglich zu erweitern."