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Van der Kwast et al, Journal of Clinical Oncology, September 2007
Zielsetzung: Die randomisierte kontrollierte EORTC-Studie 22911 untersuchte den Effekt einer Strahlentherapie nach radikaler Prostatektomie bei Patienten mit einer Hochrisiko-Konstellation. Die Ergebnisse einer Zweitbeurteilung der histopathologischen Präparate von Patienten dieser Studie wurden analysiert, um zu identifizieren, welche Faktoren einen deutlichen Vorteil einer adjuvanten Strahlentherapie vorhersagen lassen.
Patienten und Methoden: Nach radikaler Prostatektomie wurden 1.005 Patienten mit einem patho-logischen Stadium pT3 und/oder positiven Absetzungsrändern randomisiert in einer Wait-and-See-Gruppe (n = 503) und in einer adjuvanten Strahlentherapiegruppe (60 Gy konventionale Bestrahlung) (n = 502) randomisiert. Die Daten einer Zweitbegutachtung der histopathologischen Präparate standen bei 552 Patienten aus 11 teilnehmenden Zentren zur Verfügung. Die Interaktion zwischen den Pathologiecharakteristika und einem Therapie-Benefit wurden durch einen log-rank untersucht (p<0,005).
Ergebnisse: Der Margin-Status war nach Zweitbegutachtung der wichtigste Prädiktor eines verlängerten biochemischen rezidivfreien Überlebens nach sofortiger postoperativer Strahlentherapie (p<0,01): Nach fünf Jahren konnte eine sofortige Strahlentherapie 291 Rezidive pro 1.000 Patienten mit positivem Absetzungsrand versus 88 Rezidive pro 1.000 Patienten mit negativem Absetzungsrand vermeiden. Die Risikorate für eine sofortige Bestrahlung war 0,38 (95% Konfidenzintervall, 0,26 bis 0,54) und 0,88 (95% Konfidenzintervall, 0,53 bis 1,46) bei einem positiven bzw. negativen Absetzungsrand. Ein signifikanter Einfluss der Lokalisation des positiven Absetzungsrandes konnte nicht gefunden werden.
Schlussfolgerung: Nach einer sorgfältigen Zweitbegutachtung der Prostatektomiepräparate zeigen die Ergebnisse, dass eine sofortige Bestrahlung bei Patienten mit einem negativen Absetzungsrand nicht empfehlenswert ist. Diese Ergebnisse erfordern eine Validierung in einem unabhängigen Datensatz.
Kommentar: Wir haben diese Publikation als Publikation des Monats Oktober 2007 ausgewählt, da wir hier sehr konkrete Hilfestellung für den klinischen Alltag bekommen. Die Originalpublikation der sog. Bolla-Studie der EORTC-Studie 22911 war bereits als Literatur des Monats von uns ausgewählt worden. Nun war eine Zweitbegutachtung durch einen sehr erfahrenen Pathologen erfolgt, die Ergebnisse wurden nochmals ausgewertet. Das eindeutige Ergebnis hier ist, dass der positive Absetzungsrand der entscheidende Parameter für die Indikation einer adjuvanten Strahlentherapie sein sollte oder anders formuliert: Wenn Patienten mit einem negativen Absetzungsrand schlechte Tumorcharakteristika aufweisen, sollte die Indikation zu einer Strahlentherapie eher verzögert gestellt werden.
Bei organbegrenzten Tumoren mit positivem Absetzungsrand bleibt die Indikation zu einer adjuvanten Bestrahlung weiterhin schwierig. Unsere eigenen Daten haben in einer aktuellen Publikation, die wir auf dem amerikanischen Urologenkongress in diesem Jahr vorgestellt haben, haben gezeigt, dass 80% der Patienten auch mit pT2-Tumoren und einem positiven Absetzungsrand auch sieben Jahre nach der Operation ohne Anhalt für ein Rezidiv sind. Bei solchen Patienten bedeutet eine adjuvante Bestrahlung sicherlich eine Übertherapie. Des Weiteren bleibt immer noch unklar, ob eine Salvage-Strahlentherapie, indiziert bei einem sehr niedrigen PSA-Wert (z. B. <0,6 ng/ml), nicht genauso effektiv ist wie eine adjuvante Therapie. Der Vorteil einer Salvage-Therapie bleibt selbstverständlich stets, dass unnötige Therapien hierdurch vermieden werden.
So bleiben zwar einige Frage offen; wichtig war uns diese Publikation jedoch, da sie uns ganz konkret sagt, dass die ?idealen? Kandidaten für eine Strahlentherapie Patienten mit pT3-Tumoren und einem positiven Absetzungsrand sind.
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