Langzeit-Ergebnisse von Patienten mit lokalisiertem Prostatakarzinom: Veränderungen der Lebensqualität nach radikaler Prostatektomie, externer Bestrahlung und Brachytherapie

Miller DC et al., Journal of Clinical Oncology, 23:2772-2780, April 2005

Ziel: Ziel der Studie war eine Analyse der langfristigen gesundheitsbezogenen Veränderungen der Lebensqualität in einer gut charakterisierten Patientenkohorte 4 und 8 Jahre nach primärer Therapie des Prostatakarzinoms.

Patienten und Methodik: Es wurden die Patienten, die durch radikale Prostatektomie, 3-D konformale externe Strahlentherapie oder Brachytherapie behandelt waren und in einer vorhergehenden Studie (medianes Follow-up damals 2,6 Jahre) untersucht worden waren, erneut kontaktiert. Das mediane Follow-up lag aktuell bei 6,2 Jahren. Die klinische Relevanz der langfristigen Beeinträchtigung der gesundheits-bezogenen Lebensqualität wurde im Vergleich zu einer gleichaltrigen Kontrollgruppe evaluiert. Weiterhin wurden Faktoren analysiert, die mit Veränderungen der Lebensqualität assoziiert sind.

Ergebnisse: Von 709 (73,5%) der angeschriebenen 964 Patienten konnte ein kompletter Fragebogen analysiert werden. In 4 Domänen (Irritative-obstruktive Harnsymptomatik, Harninkontinenz, Darmsymptomatik und Sexualität) konnten signifikante Unterschiede in zumindest einer der Therapiegruppen im Vergleich zur Kontrollgruppe gefunden werden (p<0.5). Zwischen dem 4. und 8. Jahr nach Therapie wurde eine signifikante Verbesserung der irritativ-obstruktiven Symptomatik (p<0.0001) sowie der Darmsymptomatik unter den Brachytherapie-Patienten gefunden (p<0.0001), hingegen verschlechterte sich die Lebensqualität bezogen auf die Harnkontinenz in diesem Zeitraum sowohl in der Brachytherapie-Gruppe (p=0.0017) als auch in der extern bestrahlten Gruppe (p=0.0008). Die auf die Sexualität bezogene Lebensqualität verschlechterte sich in diesem Zeitraum in der extern bestrahlten Kohorte (p=0.0017) und in der Kontrollgruppe (p=0.0136). Bei den radikal prostatektomierten Patienten wurden keine signifikanten Veränderungen festgestellt.

Schlussfolgerung: In dem untersuchten 4 Jahres-Intervall mit dem Übergang der frühen Ergebnisse hin zu Langzeitergebnissen stellen sowohl die sexuelle Funktion, die Miktionssituation als auch die Darmfunktion von therapierten Patienten eine Belastung im Vergleich zur Kontrollgruppe dar. Während die Lebensqualität nach radikaler Prostatektomie in dem beobachteten Zeitraum konstant war, ist der Einfluss der Lebensqualität durch eine Brachytherapie oder externer Bestrahlung nicht abgeschlossen.

Kommentar: Wir haben diese Arbeit als Publikation des Monats gewählt, da hier unserer Kenntnis nach erstmals in einer Langzeitstudie die Lebensqualität der wichtigsten Therapieoptionen des lokalisierten Prostatakarzinoms untersucht und mit unbehandelten Männern verglichen wurde.

Analysiert wurden die Daten von insgesamt 709 Patienten, die entweder per radikaler Prostatektomie, 3-dimensional konformaler externer Bestrahlung oder Brachytherapie behandelt wurden. Die Lebensqualität wurde mittels validierter Fragebögen 4 Jahre und 8 Jahre nach der Therapie erhoben mit einem medianen Nachsorgeintervall von 6,2 Jahren.

Zusammenfassend konnte gezeigt werden, dass die Lebensqualität nach radikaler Prostatektomie über diesen Zeitraum konstant bleibt, nach den strahlentherapeutischen Optionen jedoch einer ständigen Entwicklung unterliegt, die auch 8 Jahre nach der Therapie nicht abgeschlossen ist. So konnte gezeigt werden, dass die irritativ-obstruktive Symptomatik und Nebenwirkungen im Darmbereich nach Brachytherapie in den ersten Jahren nach der Therapie abnehmen. Die Harninkontinenz hingegen verschlechterte sich, sowohl nach Brachytherapie als auch nach 3-dimensional konformaler externer Bestrahlung signifikant im Langzeitverlauf.

Nach einem medianen Nachsorgeintervall von 6,2 Jahren erreicht die Brachytherapie in 4 der 5 gemessenen Domänen den niedrigsten Lebensqualitätsscore, lediglich im Bereich der Darmsyptomatik wurde der niedrigste Lebensqualitätsindex für die externe Bestrahlung gemessen. Ausgewertet wurden die irritative Symptomatik, die Harninkontinenz, die Darmsymptomatik, die sexuelle Beeinträchtigung und die Vitalität. Wir haben die Originaltabelle aus der Publikation eingefügt, ein höherer Score in den einzelnen Gruppen bedeutet eine höhere Lebensqualität.


(s)=signifikanter Unterschied zur unbehandelten Kontrollgruppe


Diese Publikation stellt unserer Ansicht nach einen wichtigen Punkt in der Aufklärung zu den existierenden Therapieoptionen dar. Die initial weniger invasiven strahlentherapeutischen Optionen scheinen langfristig die Lebensqualität doch in allen gemessenen Domänen, auch der Inkontinenz und der sexuellen Aktivitäten, stärker zu beeinträchtigen als die Operation. Da es sich hier um Langzeitergebnisse handelt, ist dies insbesondere für jüngere Patienten eine enorm wichtige Information.


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