|
Alexander Haese et al, European Urology, November 2008
Hintergrund: Der Prostatakarzinom-Gen-3-(PCA3)-Assay hat sich als viel versprechende Hilfe bei der Prostatakarzinomdiagnose erwiesen, insbesondere Männer zu identifizieren, die eine hohe Wahrscheinlichkeit einer positiven zweiten Biopsie haben.
Zielsetzung: Diese Studie evaluiert die klinische Anwendbarkeit des Progensa-PCA3-Assays.
Methode: Diese europäische prospektive multizentrische Studie schließt Männer mit einer oder zwei negativen Biopsien ein, die für eine wiederholte Biopsie vorgesehen sind. Nach digital-rektaler Untersuchung wurde der erste Urin gesammelt, um die PCA3-mRNA-Konzentration zu messen und den PCA3-Score zu errechnen. Der PCA3-Score wurde dann mit dem Biopsieergebnis verglichen. Die diagnostische Fähigkeit des PCA3-Assays wurde dann mit dem des prozentualen freien Anteil des prostataspezifischen Antigens verglichen.
Ergebnisse: Bei 463 Männern betrug die Rate positiver wiederholter Biopsien 28 %. Je höher der PCA3-Score war, umso größer war die Wahrscheinlichkeit einer positiven Wiederholungsbiopsie. Der Cut-off des PCA3-Score (Cut-off von 35) hatte eine größere diagnostische Genauigkeit als der prozentuale freie PSA-Anteil (Cut-off von 25 %). Der PCA3-Score bewährte sich unabhängig von der Zahl der vorherigen Biopsien, vom Alter, vom Prostatavolumen und dem PSA-Wert. Darüber hinaus zeigte sich, dass der PCA3-Score signifikant höher war - bei Männern mit High Grade prostatischer intraepithelialer Neoplasie (HGPIN) versus solchen ohne HGPIN
- bei Stadium T2 versus T1
- bei Gleason-Score ≥ 7 versus < 7
- bei „signifikant“ versus „indolent“ (insignifikant = Stadium T1c, PSA-Density < 0,15 ng/ml, Gleason-Score in der Biopsie ≤ 6 und Prozent positiver Biopsien ≤ 33).
Zusammenfassung: Die Wahrscheinlichkeit einer positiven Wiederholungsbiopsie steigt mit erhöhtem PCA3-Score. Der PCA3-Score war dem prozentual freien PSA überlegen, die positive Biopsie bei wiederholter Biopsie vorauszusagen. Der PCA3-Score korreliert auch mit dem klinischen Stadium und mit dem signifikanten Prostatakarzinom.
Kommentar: Viele Patienten, die einen erhöhten PSA-Wert haben und schon wiederholt biopsiert worden sind, fragen unsere Kollegen und uns nach dem Stellenwert des PCA3-Tests. Die vorliegende Arbeit gibt einen ersten Eindruck über Grenzen und Möglichkeiten dieses neuen Testverfahrens an einer sehr großen Patientenzahl von 463 Männern, die mindestens einmal, oft bereits mehrmals biopsiert worden sind. An dieser Studie waren wir intensiv beteiligt. Der erste Autor, Alexander Haese, ist im Team der Martini-Klinik. Diese Studie zeigt, dass der PCA3-Test sehr wohl helfen kann, diejenigen besser zu identifizieren, die trotz wiederholter negativer Biopsien doch ein Prostatakarzinom haben. Er zeigt aber auch, ähnlich wie beim PSA-Test, dass es einen fließenden Übergang der Detektionsrate zwischen niedrigen PCA3-Werten und hohen PCA3-Werten gibt, beispielsweise:
Score Tumor in den wiederholten Biopsien <10 12% zwischen 10 und 19 21% zwischen 20 und 34 32% zwischen 35 und 49 30% zwischen 50 und 100 41% >100 47%
Man kann dies auch auf den Punkt bringen und sagen, der PCA3-Test ist in dieser Situation zwar ein weiterer Baustein, hat aber auch keine scharfe Trennung zwischen Gut und Böse. Die Autoren empfehlen bei der Bewertung des PCA3-Tests in dieser Fragestellung einen Cut-off-Score von 35. Über diesem Cut-off hat der PCA3-Test eine Sensitivität von 47 % und eine Spezifität von 72 %. Diese Fähigkeit des PCA3-Tests, die Patienten mit Prostatakarzinom zu identifizieren trotz vorheriger wiederholter negativer Biopsien ist unabhängig von der Zahl der vorherigen Biopsien, unabhängig vom Prostatavolumen und vom gesamten PSA-Wert und ist in dieser Studie besser als der prozentuale Anteil des freien PSA.
Diese Studie gibt auch erste Hinweise dafür, dass ein erhöhter PCA3-Score mit der Tumoraggressivität korreliert. Diese Beobachtung wurde zeitgleich in einer aktuellen amerikanischen Multicenter-Studie mitgeteilt (Whitman et al., Journal of Urology, 180, 1975 – 1979, 2008), welche ebenfalls zeigen konnte, dass der PCA3-Score mit pathologischen Parametern korreliert.
Es bleibt abzuwarten, inwieweit sich dieser relativ teure Test in der Klinik durchsetzen wird. Eins ist jedoch unumstritten: auch der PCA3-Test wird nicht eindeutig zwischen benigne und maligne unterscheiden können und bis auf Weiteres nur einer der vielen Parameter sein, die Einfluss auf ein positives oder negatives Biopsieergebnis haben. Oder anders formuliert: Die Biopsie ist und bleibt die einzige sichere Möglichkeit, ein Karzinom nachzuweisen.
Hier zum Ausdrucken herunterladen
|